Tunnelblick
Ausstellungseröffnung, Performance, Konzert, otvoritev razstave, performans, koncert- August 2026 – 6. März 2027, Gruppenausstellung:
Der Tunnelblick – tunelski vid – tunnel vision
... von Hubschraubern, Erinnerung, Löchern und viel Sprachigkeit ...
... of helicopters, memories, holes and plenty of language ...
Fahrten durch die Löcher der Geschichte und des gegenwärtigen Bewusstseins.
Journeys through the holes in history and contemporary consciousness.
Neue Verbindungen zwischen
<<<Kärnten>>><<<Štajerska>>><<<Koroška>>><<<Steiermark>>><<<Carinthia>>><<<Styria>>>.
Artists and Collectives: rož, Grrrls, Petra Kohlenprath, die 4 da (Florian Scheuba, Thomas Maurer, Rupert Henning, Erwin Steinhauer), Paul Lässer, Peršmanhof, Leopold I., Niko Sturm, Tanja Prušnik, Zhanna Kadyrova, Tisa Neža Herlec, Unikum, Ferdinand Penker, Zweintopf, GIFFUN, The 4th Block. Eco-poster, Zborovanje, VADA, Rose-Anne Gush, Philipp Sattler, Hannes Zebedin, Kulturvermittlung Steiermark #Kulturlandretten, Thomas Ritz, Silvia Stecher, Meta Vouk, Elena Messner, IG KiKK, IG Kultur Steiermark, Theater INNklusiv u.v.m.
In BeZugnahme auf die Eröffnung des Koralmtunnels konzipiert das Pavelhaus die Ausstellung "Der Tunnelblick", in welcher sich Kunstschaffende aus der Steiermark, Kärnten und Slowenien in einem künstlerischen Diskurs mit der neuen Verbindung zwischen den beiden Bundesländern auseinandersetzen. Zugleich soll der Frage nachgegangen werden, welche historischen und kulturellen Verbindungen zwischen den beiden Bundesländern bestehen. Die traurigen Ereignisse am Peršmanhof am 27.07.2025 und deren “Aufarbeitung” zeigen eklatante demokratische Defizite, welchen es durch Kultur- und Friedensarbeit zu begegnen gilt. Nationalismus und Faschismus sind Gefahren, welchen wie der Nutzung von Nukleartechnologie mit ständiger Aufmerksamkeit begegnet werden muss. So wird zusammen mit der Grazer Initiative für Frieden und Neutralität (GIFFUN) und dem Verein Nagasaki-Brescia Kaki Tree Project for Europe ein Kaki-Baum als Symbol des Friedens gepflanzt. Weiters wird mit dem Projekt der Int. Poster Triennale „4th Block” Nuclear Scar: Gestern – Heute – Morgen dem Supergau von Tschernobyl vor 40 Jahren gedacht.
Opening 1.8.2026 – Pavelhaus – Pavlova hiša
Event am 1.8.2026
Ein wichtiger Teil des Kulturprojekts ist die partizipative, grenzüberwindende Performance „Antichor” gestaltet von Tisa Neža Herlec, welche von Slowenien zu Fuß ins Pavelhaus führt. Der "Anti"-Chor singt nicht, sondern widmet sich phänomenologisch der menschlichen Stimme. Eine intensive Recherche vor Ort über 3 Tage mit dem gesamten Chor im Juni lässt die lokalen historischen und soziologischen Hintergründe dieser von Gewalt und Ausgrenzung stark betroffenen Region und ihrer Sprachgruppen in die Komposition einfließen. Die Erarbeitung der Route entlang historisch aufgeladener Orte sowie die Untersuchung außersprachlicher Kommunikationsmöglichkeiten sollen dabei Verschwiegenes zum „Sprechen” bringen. Das zum Teil durch systematische Ermordung betriebene Verschwinden des Jiddischen, Romani und Sintitikes sind traurigste Beispiele für den Verlust an Pluralität. Auch das Verbot der slowenischen Sprache während des Nationalsozialismus in Kärnten und der Steiermark sowie das nicht umsetzten der Minderheitenrechte laut Artikel 7 des österreichischen Staatsvertrages in der Steiermark, spielen dabei eine Rolle. Aufnahmen der Performance werden als Soundinstallation im Garten des Pavelhauses in der Ausstellung präsentiert.
Das feministisch-grenzüberschreitende Kollektiv Grrrls - dessen Veranstaltungsformate und Aktivitäten der Sichtbarmachung von queer-feministischer und emanzipatorischer subkultureller Musik- und Kunstformen dienen, sorgt für Musik. Dafür kuratiert die slowenischsprachige, aus Kärnten stammende Künstlerin Majda Krivograd ein Musik-Programm für den Nachmittag und stellt die politisch-kulturellen Aktivitäten der GRRRLS vor.
Die Ausstellung greift die Strahlenmetapher auf, indem sie diese analog zu Rassismus, Nationalismus und Demokratiefeindlichkeit durch die Vorstellung der Aktion „Erster Kärntner Gasmaskenlauf” der Formation Vada interpretiert. Der Gasmaskenlauf wurde als Reaktion auf den Umstand initiiert, dass in Kärnten die Volksbefragung zum Bau eines Atomkraftwerkes in Österreich für den Bau ausging. Dabei spielt die historisch deutschnationale bis neonazistische Vereinnahmung der 10. Oktober Feierlichkeiten in Kärnten eine bedeutende Rolle.
Giffun und das Pavel- Haus/Pavlova hiša, Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark in Laafeld, Bad Radkersburg, haben vereinbart, am 1. August 2026 einen Kakibaum beim Pavelhaus / Pavlova hiša zu pflanzen. Dieser Kakibaum, der vom Ur- Kaki aus Nagasaki abstammt, wird vom Verein "Nagasaki-Brescia Kaki Tree for Europe" zur Verfügung gestellt.
Die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 forderten unmittelbar mehr als 100.000 Opfer, die meisten davon Zivilist:innen. Noch Jahrzehnte später starben Tausende an den Verletzungen sowie an den Spätfolgen der nuklearen Verstrahlung. Das Ausmaß der Zerstörung war verheerend. Umso mehr erstaunte es, dass in Nagasaki ein schwer geschädigter Kaki-Baum überlebte. Aus den Sämlingen seiner Früchte wurden neue Bäume gezogen, die im Rahmen des japanischen Revive Time : Kaki Tree Projektes als Symbol des Friedens und als Warnung vor den Gefahren atomarer Aufrüstung weltweit verbreitet werden.
Im Jahr 1994 begann Masayuki Ebinuma, ein Baumzüchter in Nagasaki, einen schwer geschädigten Kakibaum zu pflegen, der den Atombombenabwurf überlebt hatte. Es gelang ihm, dass dieser Kakibaum wieder Samen produzierte, die "zweite Generation" nach der Atomkatastrophe.
1995 erfuhr der Künstler Tatsuo Miyajima davon. Er präsentierte die Samen in einer Kunstausstellung und suchte Adoptiveltern für die Pflanzen. Das Projekt "Revive Time : Kaki Tree Projekt" in Nagasaki entstand. Durch die Ausstellung auf der 48. Biennale in Venedig erlangte das Projekt 1999 internationale Aufmerksamkeit.
Auf der 61. Ausgabe der Biennale in Venedig wurde im ukrainischen Pavillon der Origami Hirsch von Zhanna Kadyrova präsentiert.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde dieser auf einem Sockel angebracht, der ursprünglich von einem Atombomber “geziert” wurde. Der Origami-Hirsch wanderte durch Europa und diente dabei auch als Metapher für die Sicherheitsgarantien, die der Ukraine für die Aufgabe ihrer Atomwaffen gegeben wurden. Die „Papierhaftigkeit“ und Nichtumsetzung dieses wie vieler anderer Texte, so auch etwa die nur teilweise Umsetzung des Artikels 7 in Kärnten, dessen Nichtumsetzung in der Steiermark, die gerade auch vom jetzigen Bundeskanzler der Republik wiederholten unhumanen Ansinnen, den Text der Menschenrechte umzuschreiben sowie die Nichtaufarbeitung über 200 illegaler Pushbacks durch die Polizei an der Grenze zu Slowenien und das Nichtaufarbeiten des entwürdigend Polizeieinsatzes am Peršmanhof (wobei hier plötzlich alle Polizeiakten verschwunden sind) -- sind für die Ausstellung von inhaltlicher Relevanz.
Bei der offiziellen Eröffnung des ukrainischen Pavillons hat die Künstlerin dem Pavelhaus ihre dabei getragene Warnweste samt Botschaft und Unterschrift für die Ausstellung übergeben.
Anlässlich der Pflanzung des Friedens-Kaki-Baumes wird der Zborovanje mit einer eigenen Komposition auf die tödliche, unhörbare und unsichtbare Gefahr hinweisen, die von der friedlichen wie kriegerischen Nutzung dieser Technologie ausgehen – 40 Jahre nach Tschernobyl und 81 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben in Japan. Dabei wird es mit der Enthüllung der von jungen Grafiker:innen erstellten Protestplakate rund um das Kollektiv Reaktor 4 optische Einblicke in die Ängste und Hoffnungen rund um das Thema geben.
Die mannigfaltigen Verbindungen zu Kärnten gipfeln in einer Performance und Abschlusskonzert der Uvos „die Unvollendeten” rund um den Sprachkünstler und Maler Richard Klammer. Dabei wird es ein eigens erarbeitetes slowenischsprachiges Stück geben, das mit einem Nachkommen, der vom Massaker am Peršmanhof betroffenen Familie Sadovnik entsteht.
